Mit Moodboard zum besseren Shooting: Planung, Look & klare Ideen
Ein gutes Shooting beginnt für mich nicht mit der Kamera. Es beginnt viel früher – mit einer ziemlich klaren Vorstellung davon, was am Ende entstehen soll. Und genau dafür liebe ich Moodboards. Sie nehmen dir nämlich nicht die Kreativität. Im Gegenteil: Sie sorgen dafür, dass du beim Shooting überhaupt den Kopf frei hast, kreativ zu sein. ✨
Denn mal ehrlich: Vor Ort gleichzeitig über Licht, Perspektiven, Posen, Kleidung, Haare, Make-up, Props, Hintergrund und die nächste Szene nachzudenken, ist irgendwann einfach zu viel. Jaaaaa, natürlich entstehen beim Fotografieren spontan oft die schönsten Ideen. Aber Spontaneität funktioniert deutlich besser, wenn die Basis vorher steht.
Mein Ziel mit einem Moodboard ist deshalb nicht, jedes Foto vorab festzulegen. Ich möchte Entscheidungen vorziehen. Was kann ich schon vor dem Shooting klären, damit ich vor Ort nicht mehr darüber nachdenken muss? Je klarer Location, Look, Styling und Szenen vorher sind, desto entspannter wird das Shooting – für dich und für alle anderen Beteiligten.
1. Schau dir zuerst die Location an
Bevor ich überhaupt anfange, wahllos schöne Bilder zu sammeln, würde ich mir die wichtigste Frage stellen: Wo fotografieren wir eigentlich?
Studio, Zuhause oder Outdoor machen einen riesigen Unterschied. Im Studio kannst du Licht, Hintergrund und Set meist relativ gut kontrollieren. Bei einem Homeshooting arbeitest du dagegen mit vorhandenen Räumen, Fenstern, Möbeln und Farben. Outdoor kommen Tageszeit, Wetter, Lichtstand und Umgebung dazu.
Wenn möglich, besorg dir deshalb schon vor dem Shooting Eindrücke vom Ort. Das können professionelle Locationbilder sein, ein kurzer Rundgang, Google-Bilder oder bei einem Shooting zuhause einfach ein paar Handyfotos der Räume.
Schau dabei nicht nur darauf, ob es „schön“ aussieht. Frag dich: Wo kommt das Licht her? Welche Farben dominieren? Wie viel Platz habe ich? Welche Möbel oder Hintergründe kann ich nutzen? Gibt es einen Bereich, der fotografisch sofort interessant ist?
Bei Homeshootings würde ich zum Beispiel unbedingt um Bilder von Schlafzimmer, Wohnzimmer und den größten Fenstern bitten. Du musst nicht erst mit Kamera und Tasche im Flur stehen und dann feststellen, dass das einzige wirklich gute Licht eigentlich zwei Zimmer weiter wartet. 😅
2. Definiere den Look, bevor du Bilder sammelst
Der Klassiker bei Moodboards: Pinterest öffnen und einfach alles abspeichern, was irgendwie schön aussieht.
Kann man machen. Führt nur schnell zu einem Moodboard, auf dem fünf komplett unterschiedliche Shootings miteinander kämpfen. Deshalb zuerst ein paar klare Begriffe.
Wie soll sich das Shooting anfühlen? Zart? Editorial? Natürlich? Clean? Warm? Verspielt? Minimalistisch? Moody? Modern?
Ich würde mir drei bis fünf Begriffe geben, die wirklich zur Bildidee passen. Diese Wörter sind anschließend dein Filter für alles, was du sammelst.
Wenn dein Shooting beispielsweise soft, intim, hell und natürlich werden soll, brauchst du wahrscheinlich keine Inspiration mit hartem Blitzlicht, knalligen Props und dramatischen Fashion-Posen. Das klingt selbstverständlich. Aber genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob dein Moodboard später wirklich hilft oder einfach nur sehr hübsch aussieht.
3. Sammle Inspiration – aber keine Bilder zum Nachbauen
Ein Moodboard soll dir eine Richtung geben, keine Kopiervorlage. Ich suche deshalb lieber nach einzelnen Elementen in Bildern: Was gefällt mir an der Lichtstimmung? Ist es die Perspektive? Eine bestimmte Körperhaltung? Der Bildausschnitt? Die Farbkombination? Die Art, wie Stoff fällt? Eine Handposition?
So kannst du auch Inspirationen kombinieren, die ursprünglich überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Vielleicht gefällt dir bei einem Bild nur das Licht, bei einem anderen die Kleidung und beim dritten die Komposition. Genau daraus entsteht deine eigene Shootingidee.
Das ist viel spannender, als vor Ort mit einem Screenshot zu stehen und zu versuchen, exakt dasselbe Foto noch einmal zu produzieren.
4. Kleidung, Props, Make-up und Haare vorher entscheiden
Hier liegt für mich einer der größten Vorteile eines guten Shooting-Moodboards: Alles, was vor dem Shooting entschieden werden kann, sollte möglichst auch vorher entschieden werden.
Welche Kleidung wird getragen? Welche Farben funktionieren miteinander? Welche Props brauchen wir? Welche davon sind wirklich wichtig und welche landen wahrscheinlich sowieso nur dekorativ in der Ecke? Wie sollen Haare und Make-up aussehen? Natürlich und reduziert oder deutlich stärker? Gibt es Schmuck? Stoffe? Blumen? Stühle? Decken?
Bitte nicht erst am Shootingtag drei Kleider aufs Bett legen und anfangen zu diskutieren, welches davon vielleicht am besten aussieht. 😄 Das kostet Zeit und vor allem Energie.
Wenn eine Visagistin beteiligt ist, sollte sie das Moodboard ebenfalls vorher bekommen. Gleiches gilt für Styling, Assistenz oder Models. Dann sprechen alle über dasselbe Bild – und nicht über fünf verschiedene Vorstellungen davon, was „natürlich“ oder „elegant“ bedeutet.
Gerade Make-up und Haare verändern die Wirkung eines Shootings enorm. „Natürliches Make-up“ kann von „quasi ungeschminkt“ bis „Full Face, aber in Beige“ wirklich alles bedeuten. Ein Bild löst diese Diskussion in ungefähr drei Sekunden.
5. Plane deine Sets und Szenen vorher
Das ist der Punkt, der Shootings meiner Meinung nach richtig viel entspannter macht. Überleg dir vorher, welche Situationen du fotografieren möchtest und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind.
Bei einem Portraitshooting könnte das zum Beispiel mit einem cleanen Setup starten, danach ein zweites Outfit, anschließend ein engeres Portrait und zum Schluss etwas freiere Bewegung sein. Bei einem Homeshooting könntest du Schlafzimmer, Fenster, Sofa und vielleicht eine kleine Alltagssituation einplanen. Outdoor können verschiedene Spots entlang einer kurzen Route sinnvoll sein. Wichtig ist nicht, dass dieser Ablauf später exakt eingehalten wird. Er gibt dir einfach etwas, worauf du zurückgreifen kannst.
Denn irgendwann gibt es bei fast jedem Shooting diesen kurzen Moment: Okay … was machen wir jetzt? Mit einem vorbereiteten Ablauf schaust du einmal auf dein Moodboard und denkst: Ah ja. Nächste Szene. Weiter geht's. Genau diese kleinen Entscheidungspausen verschwinden.
6. Studio, Zuhause oder Outdoor: Dein Moodboard sollte die Location mitdenken
Ein Studio-Moodboard darf viel genauer auf Hintergründe, Lichtsetzung und Setbau eingehen. Welche Hintergrundfarbe? Welcher Untergrund? Brauchen wir einen Stuhl, einen Hocker, Stoff, Plexiglas oder andere Elemente? Wo soll das Licht ungefähr stehen?
Bei einem Shooting zuhause würde ich dagegen stärker mit dem arbeiten, was bereits vorhanden ist. Welche Ecke funktioniert? Können wir das Bett nutzen? Gibt es eine schöne Wand? Welche Farben sind im Raum? Muss etwas vorher weggeräumt werden?
Outdoor wiederum solltest du nicht nur einzelne Motive sammeln, sondern auch Licht und Tageszeit berücksichtigen. Ein Moodboard voller Gegenlicht bei Sonnenuntergang hilft dir herzlich wenig, wenn dein Shooting um zwölf Uhr mittags angesetzt ist. 😉
Das Moodboard sollte also nicht nur zeigen, was schön wäre, sondern möglichst auch, was an diesem konkreten Ort realistisch funktioniert.
7. Plane das Shooting – nicht jedes einzelne Foto
Hier kommt die wichtige Grenze. Du willst nicht so viel vorbereiten, dass du beim Shooting nur noch eine Checkliste abarbeitest.
Das Moodboard ist dein Geländer, nicht dein Käfig.
Wenn plötzlich eine bessere Idee entsteht: machen. Wenn ein anderes Licht spannender aussieht: ausprobieren. Wenn das Model oder die Familie eine Bewegung macht, die viel besser funktioniert als deine geplante Pose: bitte Kamera hoch und draufhalten.
Gute Vorbereitung bedeutet nicht, dass du spontan nichts mehr verändern darfst. Sie sorgt dafür, dass du spontan sein kannst, ohne gleichzeitig noch zehn grundlegende Entscheidungen treffen zu müssen. Das ist ein großer Unterschied.
8. Was gehört auf ein gutes Shooting-Moodboard?
Ich würde es lieber übersichtlich halten, statt 80 Pinterest-Bilder auf eine Seite zu werfen. Mein Moodboard sollte auf einen Blick vermitteln können, wohin das Shooting geht.
Dafür reichen meistens diese Bereiche:
Location und vorhandene Räume oder Spots
Lichtstimmung
Farbwelt
Kleidung und Styling
Haare und Make-up
Props
Posen und Körpersprache
Bildausschnitte und Perspektiven
geplante Sets oder Szenen
zwei bis drei absolute Must-have-Bilder
Wenn du dein Moodboard anschaust und nach zehn Sekunden ungefähr weißt, wie sich dieses Shooting anfühlen soll, funktioniert es. Wenn du erst fünf Minuten erklären musst, warum ein bestimmtes Bild überhaupt darauf liegt, darf wahrscheinlich noch etwas raus.
9. Der beste Effekt: Du musst beim Shooting weniger denken
Vielleicht klingt das erst einmal seltsam. Schließlich gehört Denken ja irgendwie zum Job. 😄 Aber ich meine etwas anderes. Du willst beim Fotografieren über Licht, Ausdruck, Timing und den Menschen vor deiner Kamera nachdenken. Du willst beobachten, reagieren und Bilder sehen. Du willst nicht gleichzeitig überlegen, welches Oberteil jetzt drankommt, wo die Blumen liegen, ob die Haare offen oder geschlossen sein sollen und welche Szene als Nächstes geplant war.
Jede Entscheidung, die du sinnvoll vorziehen kannst, schafft dir beim Shooting mehr mentale Kapazität.
Und genau das merkt man meiner Erfahrung nach auch den Bildern an. Wenn du selbst nicht permanent organisierst, kannst du viel besser wahrnehmen, was gerade passiert. Das Shooting fühlt sich leichter an. Und meistens fühlt es sich für die Menschen vor deiner Kamera ebenfalls leichter an.
10. Kleine Übung: Bau dein nächstes Moodboard rückwärts
Probier bei deinem nächsten Shooting einmal nicht mit Pinterest anzufangen. Frag dich zuerst: Welche fünf Bilder möchte ich am Ende auf jeden Fall haben?
Nicht im Sinne eines exakten Motivs, sondern als Situationen. Zum Beispiel ein starkes Portrait, eine Aufnahme mit Bewegung, ein Detail, ein Bild mit viel Raum und ein enger emotionaler Moment. Danach überlegst du, was du dafür brauchst. Welche Location? Welche Kleidung? Welches Licht? Welche Props? Welches Styling? Und erst dann suchst du nach visuellen Referenzen.
Das verändert erstaunlich viel, weil dein Moodboard plötzlich nicht mehr bestimmt, was du fotografieren könntest, sondern unterstützt, was du fotografieren möchtest.
11. Fazit: Je besser die Vorbereitung, desto freier kannst du fotografieren
Ein Moodboard ist für mich kein hübsches Pinterest-Collage-Ding, das man vor dem Shooting einmal erstellt und dann nie wieder anschaut. Es ist ein Werkzeug. Es hilft dir, Ideen zu sortieren, Erwartungen abzugleichen und Entscheidungen zu treffen, bevor vor Ort plötzlich alle gleichzeitig eine Meinung brauchen.
Je klarer deine Vorstellung vor dem Shooting ist, desto leichter wird es, währenddessen flexibel zu bleiben.
Location kennen. Look definieren. Styling festlegen. Props organisieren. Sets überlegen. Szenen vorbereiten. Und dann? Kamera nehmen, Plan im Hinterkopf behalten – und trotzdem offen dafür sein, dass am Ende vielleicht genau das Bild dein Favorit wird, das auf keinem Moodboard stand. ✨
Hi, ich bin Julia alias Poly – die Person hinter Hey Poly.
Ich bin Portraitfotografin, Photo Artist und Gründerin von Hey Poly. Meine Lightroom Presets sind direkt aus meiner eigenen Shootingpraxis entstanden – im Studio, Outdoor, bei Tageslicht und in ganz unterschiedlichen Lichtsituationen.
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